Nachtwächter starten mit Generationenwechsel ins Neue Jahr Gute Wünsche begleiteten traditionellen Umzug in der Dilsberger Bergfeste 1. Januar 2018 |
Wohl kaum eine Nacht wird von so vielen guten Wünschen begleitet wie die Neujahrsnacht. Auf dem Dilsberg gelten die Nachtwächter als Glücksboten und der traditionelle Umzug lockt Einheimische und Gäste aus nah und fern in die Bergfeste. Auch in dieser Silvesternacht kehrte kurz vor Mitternacht das Leben in die Gassen zurück. Erwartungsvoll trafen am Torturm fröhliche Menschen ein, um gemeinsam mit den Nachtwächtern das Neue Jahr zu begrüßen. |
Eine geschätzte Tradition und doch war es dieses Mal anders, denn bei den Nachtwächtern hat sich an der Spitze ein Generationswechsel vollzogen und mit Jürgen Maurer hatte erstmals der neue Obernachtwächter beim Treffpunkt im Dilsberger Rathaus das Sagen. Mit launigen Worten stimmte er seine Kollegen auf den Rundgang ein. Neu in der Runde war auch sein Sohn Marius, der kurzfristig für den verhinderten Dorfwaibel einsprang und dem großen Nachtwächterhorn wie ein Profi kräftige Töne entlockte. Ein letzter prüfender Blick auf die blank geputzten Hellebarden, dann wurde das Kerzenlicht in den Laternen entfacht und es konnte losgehen. |
„Sie kommen, gleich ist es soweit!“ Ein spannungsvolles Raunen begleitete die zehn Nachtwächter auf ihrem Weg zum Torbogen. Dann setzte der jüngste Nachtwächter in der Runde das Horn an und ließ zwölf klare Töne erklingen. Die Mannen um ihn stimmten ihr bekanntes Lied an: „Hört ihr Leut, und lasst euch sagen: unser Glock´ hat Zwölf geschlagen. Das alte Jahr ist vergangen, das neue hat angefangen.“ Worauf der Musikverein Trachtenkapelle Dilsberg, der turnusgemäß die Nachtwächter begleitete, „Großer Gott wir loben dich“ spielte, ein Lied in das viele Besucher spontan und bewegt mit einstimmten. |
Begleitet vom Läuten der Kirchturmglocken wünschten Nachtwächter und Musiker ein gutes Neues Jahr, das die Teilnehmer voller Herzlichkeit erwiderten und weitergaben. |
Ein Ritual das sich beim Rundgang durch die Bergfeste an drei weiteren Stationen wiederholte. |
„Hört Ihr Leut, ich muss euch etwas sagen!“ ergriff am letzten Halt Obernachtwächter Maurer das Wort und verkündete offiziell den „Stabwechsel“ an der Spitze der Nachtwächter, verbunden mit einem herzlichen Dank an seinen Vorgänger Erwin Lanzer, der diesen Posten 41 Jahre innehatte, die Tradition am Leben erhielt und auch weiterhin mit marschiert. „Wir sind dir sehr zum Dank verpflichtet!“ Mit diesen Worten überreichte er ihm ein stimmungsvolles Bild von einem seiner Rundgänge. |
Ortsvorsteher Bernhard Hoffmann wünschte zuerst allen ein gutes Neues Jahr und Gesundheit, bevor er Erwin Lanzer für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement dankte und als „Motor“ der Nachtwächterbewegung bezeichnete. Der Ortschaftrat zeichnete ihn mit dem Ehrentitel „Obernachtwächter a.D.“ aus und überreichte ein neues Türschild mit dem Ehrentitel. |
Gerührt nahm Erwin Lanzer die Ehrung entgegen und gab den Dank an seine Mannen weiter ohne deren Einsatz das Ganze nicht möglich wäre. Für die Nachtwächter bedeutet Tradition nicht das Aufbewahren der Asche, sondern das Weitergeben des Feuers. Schön, dass die eingeschworene Gruppe das Feuer am Lodern erhält und die Jungen in die Fußstapfen der Alten treten. |
Spontan meldete sich aus den Teilnehmerreihen eine Frau aus Aglasterhausen zu Wort: „Vor zehn Jahren hat mich der alte Obernachtwächter voller Herzlichkeit mit einem Küsschen ins neue Jahr geschickt, seitdem kommen wir jede Silvesternacht hierher und genießen die tolle Atmosphäre.“ So soll es sein. Zum Abschluss wurden die Teilnehmer eingeladen als Zugabe das Nachtwächter-Lied um 1 Uhr mitzusingen, was nach Bekanntgabe des Textes spontan klappte und frohgemut durch die Nacht hallte. |
Gemeinsam und voller Freude wurde das Neue Jahr begrüßt und auf ein gutes Gelingen angestoßen. Außerhalb der Bergfeste zauberten Raketen eine bunte Farbenpracht an den Horizont und innen tauchten bengalische Lichteffekte die historische Bergfeste in eine bunte Idylle. |
Text: boe Bilder: bz 01.01.2018 |
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